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Corona - eine Medidation

Erich Kapfenberger (erich) on 14.03.2020

Die Ampel steht längst auf ROT. Viele sind noch, wie gewohnt, bei Gelb oder noch später in die Kreuzung eingefahren. Geht sich schon noch irgendwie aus und die anderen stehen ja noch.  Nun ist aber endgültig Rot und Zeit, ein paar Sekunden Zeit, den Motor abzustellen und inne zu halten.

Die Ampel ist womöglich gar nicht die passende Metapher, vielleicht sollte man eher an die roten Griffe in Verkehrsmitteln und deren Stationen denken. 

NOTHALT!  

Diesen Hebel zu betätigen bedarf schon einer Portion Überwindung. Man möchte schließlich nicht als übernervös dastehen und ungerechtfertigt Kompliakationen verursachen. Andererseits kann ein Zögern den eigentlichen Sinn dieses Instrumentes ad absurdum führen und das Unheil nicht mehr verhindern. 
Ob wir die Notbremse zum richtigen Zeitpunkt gezogen haben, wird erst die Zukunft zeigen.  
Jedenfalls ist die Gesellschaft nun angehalten. Das Hamsterrad dreht sich nicht mehr. Es ist Zeit, Zeit unsere Gedanken zu ordnen, Zeit zum Nachdenken über uns selbst, über unser Umfeld, über unser Tun und Handeln. 

Fast zwangsläufig stellt sich die Frage, ob wir in der Vergangenheit alles richtig gemacht haben, ob wir Warnschilder ignoriert haben, ob wir Stoppschilder überfahren haben, um nun mit Gewalt eingebremst zu werden.

KRISE! 
Krise ist wohl der treffendste Begriff für die aktuelle Situation.  Krise in mehreren Dimensionen. Da steht an erster Stelle klarerweise die gesunheitliche Krise, aber daraus folgt eine wirtschaftliche Krise und ohne die Bewältigung der beiden folgt eine gesellschafliche, ja zivilisatorische Krise.

ZUVERSICHT!
Es ist Optimismus angesagt, dass wir diese Herausforderungen meistern werden.  Wir werden das Virus in den Griff bekommen, wir werden die wirtschaflichen Auswirkungen bewältigen und wieder in ein "normales" Leben zurückfinden.  Bis es allerdings so weit sein wird, sollten wir einige Dinge gelernt haben und nicht einfach weitermachen, als wäre nichts geschehen.

DEMASKIERUNG!
Die aktuelle Situation führt uns schonungslos vor Augen, was wir in der Vergangenheit falsch gemacht haben, sei es durch Übertreibung oder sei es durch Unterlassung.  Gleichzeitig erkennen wir, dass wir auch auch ohne viele Gewohnheiten userer Gesellschaft überleben können, oft sogar überraschend gut. Diese Ausnahmesituation zeigt uns, dass es nicht gut ist, wenn wir uns ständig am Limit unser Möglichkeiten bewegen, wie in der Formel1 das allerletzte Hundertstel aus uns herauskitzeln um als strahlender Sieger zu brillieren.  Da genügt ein minmaler Abstimmungsfehler, eine winzige Bodenwelle, ein kleiner Ölfleck auf der Strecke um in einem fürchterlichen Crash zu enden.  
Wenn wir uns keine Reserven für Ausnahmesituationen leisten, kann dieses Dahinrasen ein böses Ende nehmen. 

Und da sind wir wieder weg von der Formel1.  Wenn wir unser Bundesheer kaputt sparen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn es nun keine Notbetten und Kapazitäten in Militärspitälern etc. bereitstellen kann. 
Wenn wir unsere Kosten im Pharmasektor optimieren wollen und nun auf Lieferungen aus Asien angewiesen sind, dürfen wir uns nicht über Engpässe wundern.  Dieser blinde Hang zur scheinbaren Optimierung in allen Bereichen macht uns sehr verletzlich. Zugunsten der Wettbewerbsfähigkeit auf jegliche Reserven zu verzichten ist grob fahrlässig. Wenn wir durch Privatisierungswahn sämtliche Reserven des Staates eliminieren, berauben wir uns unsers eigenen Fallschirms.  Aus kapitalitscher privatökonomischer Sicht mag manches was "der Staat " tut auf den ersten Blick ineffizient sein, beschert uns aber ein hohes Maß an Sicherheit. Dazu gehört ein großer Teil der Infrastruktur, angefangen bei der Energieversorgung bis zu Transport- und Verkersmittel.  Nicht zu letzt ist ein nicht profitorientiertes unabhängigens Nachrichtenmedium eine wichtige Komponente.  
 

ZYNISMUS und IGNORANZ!
Es erstaunt immer wieder, welche Einstellungen angesichts der Situation in machen Gehirnen Platz greifen.  Die sozialen Medien geben einen ernüchternden Einblick in diese kranken Gehirne.  Wenn man der Auffassung ist, die Alten, Schwachen und Kranken einfach krepieren zu lassen, frage ich mich schon, wo wir als Menschheit angelangt sind.  Wen man die Auffassung vertritt, niemand brauche zu wissen wo ich war und begebe mich nicht freiwillig in Quarantäne, frage ich mich, wie verkommen kann man nur sein. Keiner von uns ist alleine auf dieser Welt, kaum einer wäre ohne sein Umfeld, die Gesellschaft überlebensfähig.  Genau wegen dieser Individuen aber sind eben diese drastischen Einschnitte erforderlich, denn es hilft leider nicht wenn ein Großteil der Bevölkerung vernünftig ist, aber ein paar Asoziale alle Bemühungen torpedieren.

KRAFT und CHANCE!
Immer wieder hören wir, dass jede Krise auch Chancen birgt.  In diesem Fall einer Krise mit enormer Tragweite ergeben sich auch Chancen in ungewöhnlicher Dimension.  Da gibt es die Chance unsere Wirtschaft robuster und nachhaltiger aufzustellen.  Die Gesundheitskrise führt uns durch die erfolgten Maßnahmen auch vor Augen, dass auch Klimaschutz möglich ist.  Es gibt uns die Möglichkeit, durch Umstellungen aus der Not heraus, Tugenden zu entwickeln, die uns für die Zukunft helfen, diesen Planten weiterhin für die Menschheit bewohnbar zu erhalten.  Es ist eine einmalige Gelegenheit, in unserer Zivilisation die Akzeptanz für Veränderungen zu erreichen, wie sie sonst nicht möglich wären.  

Wir sollten die Gunst der Stunden nutzen, in diesem Sinne unsere Gesellschaft einen Schritt voran zu bringen. 
Der Anteil an Personen in unserer Gesellschaft, die vergleichbare Extremsituationen noch erlebt haben, ist inzwischen sehr gering.
Die Awareness dafür, wie man heute sagt, ist daher in der Generation, die jetz aktiv unsere Gesellschaft prägt, nicht besonders hoch.
Es ist zu hoffen, dass nun auch die Generation -50 aus dieser Situation die richtigen Schlüsse zieht.

 

 


 

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