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Ich liebe Hunde, darum hab ich keinen (mehr).

Erich Kapfenberger (erich) on 16.02.2020

Wenn Sie meinen, es ist ein Widerspruch, Hunde zu mögen, aber trotzdem keinen zu halten, dann will ich das mal erklären. Nein, mir ist es nicht aus körperlichen, finanziellen oder gesundheitlichen Gründen unmöglich, einen Hund zu halten.

Es ist die Einstellung unserer Gesellschaft zu Hunden und es sind die auch daraus entstandenen gesetzlichen Rahmenbedingungen, die es für mich unmöglich machen, einen Hund so zu halten, wie ich mir eine artgerechte Haltung vorstelle.

Klarerweise ist die eine oder andere Situation wo es ein Hundeverbot gibt sinnvoll und zu respektieren. Sei es aus hygienischen oder sonstigen plausiblen Gründen. 
Da gibt es aber eine Reihe von Umständen, mit denen ich mich nicht mehr auseinander setzten möchte. 
Es gibt eine ganze Reihe von Leuten, die Hunde hassen oder hassen dass jemand einen Hund hat.  Ausgelegte Giftköder sind ein sichtbarer Ausdruck dessen.  
Ein weitere Grund ist die Diskriminierung, der man mit einem Hund teilweise ausgesetzt ist.  Fällt Ihnen spontan eine andere Haustierart ein, für die man Steuer zahlen muss?  Fällt ihnen eine andere Tierart ein, der sie eine Fahrkarte kaufen müssen?
Wo überall dürfen Kleinkinder gratis mit, aber für den Hund muss bezahlt werden.  
Warum gibt es keine Wellensittichsteuer?  Warum gibt es keine Katztenfahrkarte?  Warum gibt es Listenhunde?

Der bei weitem größte Grund aber sind die Hundebesitzer selbst, die mir die Hundehaltung verleiden!
Früher stellte sich diese Frage kaum, denn Hunde gab es am Bauernhof, der Jäger hatte einen und so mancher Wohlhabende.
Dazu kamen noch Personen die beruflich oder in bestimmten Organisationen Hunde benötigten ( Rettung, Polizei, Lawinenrettung etc.)

Mit dem Anstieg des Wohlstandes kam der Hund in die Breite der Gesellschaft und ist geradezu eine Modeerscheinung geworden.  Die Medien trugen noch das ihre dazu bei. ( Lessie, Kommissar Rex etc.)  "Fernsehhunde" sind höchst ausgebildete Hunde, um die sich oft ein ganzes Team kümmert.  Beim naiven Zuseher wird aber vom Hund der Eindruck erzeugt, menschliche, wenn nicht sogar übermenschliche Fähigkeiten zu besitzen, und zwar von Geburt an. 

Ich war mit meiner Schäferhündin im Bereich Großglockner unterwegs, da kam ein Wanderer auf mich zu und sagte: " Maahh, is der brav! Heißt er Rex und frisst er auch gerne Wurstsemmeln?"  
Was ich dem Idioten gerne sagen wollte, hätte mir vermutlich grobe Schwierigkeiten eingebracht.
Jede Menge solcher Leute halten aber tatsächlich Hunde, ohne die gringste Ahnung von der Materie zu haben, ohne eine Hand voll Voraussetzungen zu erfüllen, um einen Hund zu halten.  Die große Anzahl verschärft die Problematik zusätzlich.  Wenn man dem Hund keine andere Möglichkeit geben kann, seine Notdurft zu verrichten, als am Gehsteig,  dann sollte man keinen Hund halten.  Auch der Hund fühlt sich nicht wohl dabei, angeleint, auf dem Asphalt oder Schotter sein Geschäft zu erledigen!  Dass sich andere dann über verschmutze Wege etc. beschweren ist verständlich.  
Die Folgen dürfen wir dann den Medien entnehmen. Das wiederum erzeugt zurecht in der Bevölkerung und bei den Politikern einen Eindruck, der dann zu absurden Bestimmungen, Listenhunden etc. führt.  

Die Leine, das wohl unverstandenste Utensil für den Hund.  Für viele Hundebesitzer bedarf es gar keiner Leinenpflicht, denn der Hund ist, ausgenommen die eigenen vier Wände, ohnehin ständig angeleint.  Völlig berechtigt, so scheint es, denn meist zieht der Hund an einem und der Halter am anderen Ende der Leine.  Der Hund will weglaufen!   
Lassen wir als Grund mal eine läufige Hündin in der Nähe außen vor. Warum in aller Welt soll der Hund weg laufen wollen? 
Wenn die Beziehung zwischen Hund und Halter stimmt, warum soll er vor der Person weg laufen, der er vertraut, bei der er sich wohl fühlt, die ihn füttert etc. ; irgendwie absurd.  
Jetzt sind wir bei Pudels Kern.  Hat der Hund kein vertrauen? Fühlt sich der Hund in seiner Umgebung nicht wohl?  Hat der Halter womöglich keine Ahnung von den Bedürfnissen seines Vierbeiners?
Die Leine sollte in erster Linie dem Hund Sicherheit und Führung geben und bei Unsicherheit oder Fehlverhalten eine Korrekturhilfe sein, aber niemals ein mobiles Gefängnis für den Hund! 
Wenn sich Hund und Halter einmal gut genug verstehen und Vertrauen gegeben ist, bedarf es ausgenommen in Sondersituationen auch keiner Leine.  In diesem Fall wird sich der Hund aber auch gerne anleinen lassen, denn er weis, dass ihm sein Halter helfen will, eine ungewohnte Situation zu bewältigen.

Sie können sicher sein, es hat überhaupt nichts mit Glück zu tun, wenn Sie einen Hund sehen der "brav" ist und folgt. 
Um diesen Zustand herzustellen, bedarf es aber geduldiger, langer und konsequenter Arbeit mit dem Hund. Dazu sind leider viele entweder nicht bereit oder gar nicht im Stande. 

Diese harte Arbeit alleine würde mich nicht stören, ich habe sie schon mehrmals gemacht. Die heutigen gesellschaftlichen und gesetzlichen Rahmenbedingen machen es aber nochmal deutlich schwerer einem Hund tatsächlich gerecht zu werden. 

Darum habe ich keinen Hund mehr, obwohl ich die Vierbeiner eigentlich liebe.  Aus purem Egoismus will ich keinen Hund.

 


 

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