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Sollen Bäuerinnen und Bauern faire Preise für ihre Produkte bekommen?

Erich Kapfenberger (erich) on 06.02.2020

Diese Frage stellt die Frau Landwirtschaftsminister.  Die Frage ist vermutlich absichtlich geschlossen gestellt, um ein einfaches "ja" als Antwort zu bekommen.  Wer will den nicht fair sein?  Wer wagt es, mit "nein"  zu antworten. 

Die Frage ist leider zu komplex, um sie so kurz zu beantworten, denn es sind einige Nebenfragen zu klären. 

Ein Themenkreis dreht sich um die Lieferkette.
Was geschieht alles mit dem Nahrungsmittel, bis es vom Bauern zum Konsumenten gelangt ist. In Teilbereichen haben Bauern zur Direktvermarktung gegriffen, um dem Preisdruck zu entgehen. Das kann aber nicht überall funktionieren und so sind die Bauern auf die "Verwertungsgenossenschaften", die Nahrungsmittelindustrie und den Handel angewiesen.  Wer sich in dieser Lieferkette den größten Teil vom Kuchen gönnt, darüber schieben sich die großen Konzerne gegenseitig den schwarzen Peter zu. Das Nachsehen haben die Kunden und die Bauern. Die Kunden haben politisch kaum eine Lobby, wenn man mal vom Konsumentenschutz und der Arbeiterkammer absieht, während den Bauern ja ein ganzes Ministerium zur Seite steht.  Welche Bauerninteressen hier aber tatsächlich vertreten werden, kann man sich vorstellen, wenn man schaut, wer unter diesem Giebeldach das Sagen hat.  Da kommt mir der Spruch in den Sinn: "Die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber".

Weiters geht es darum, wie der Bauer selbst aufgestellt ist.
Handelt es sich um einen kleinen ökologisch wirtschaftenden Bergbauern oder reden wir von einem industrieartigen Großbetrieb.  Einem Massenschweinezuchtbetrieb müssen wir wohl nicht unter die Arme greifen.   Zwischen diesen beiden Extremen gibt es klarerweise jede Menge Abstufungen.  Auch die Spezialisierung auf einzelne Teilbereiche des bäuerlichen Spektrums erfordert andere Betrachtungsweisen. Hat nicht gerade der Preisdruck zur Spezialisierung der Bauern geführt und sie damit in eine Einbahnstraße getrieben?  Es kann nicht gut sein, wenn ein Bauer einzig vom Milchpreis abhängig ist. Es macht ihn nur noch leichter erpressbar.

Das dritte Feld ist der Konsument selbst. 
Da geht es einerseits darum, was die Konsumenten wollen, aber auch darum, was man ihnen zumuten kann. 
Ein Huhn aus biologischer Haltung kostet im Supermarkt das 4-5 fache gegenüber einem aus Massenhaltung. 
Jeder würde gerne das Biohendl haben, wenn er es sich leisten könnte.  Andererseits konsumieren wir ohnehin mehr Fleisch und anderes Getier, als uns zuträglich ist.   

Wie sieht das nun mit der Eingangsfrage aus?  Grundsätzlich bin ich kein Gegner freier Marktwirtschaft. Wo es aber um existenzielle Fragen, Gesundheit, Versorgungssicherheit geht, kann nicht der Profit (wessen auch immer ) im Vordergrund stehen. 
Wenn es um Grundprodukte  wie Milch, Mehl, Gemüse etc. geht, halte ich ein Regelwerk durchaus für angebracht. Handelt es sich aber um hoch verarbeitete Produkte der Nahrungsmittelindustrie wie Fertiggerichte, Schokoriegel und ähnliches, so mag die Wirtschaft sich das gerne selbst regeln. 

Mindestpreise für die Bauern ohne weitergehende Regelungen machen aber keinen Sinn.  Das würde nur die Massenproduktion für die Großen lukrativer machen. Das kann in niemandes Interesse sein.  Eine Regulierung der Preise kann daher nur im Gleichschritt mit einer generellen Anhebung von Mindestkriterien für alle Landwirtschaftsbetriebe einhergehen. An sonst dient es nur dazu, einer Gewinnmaximierung jener Vorschub zu leisten, die es sich ohnehin richten können. 

 

 

 

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