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Tourismus ein auslaufendes Geschäftsmodell?

Erich Kapfenberger (erich) on 24.03.2020

Die ganze Freizeitbranche wird in diesen Tagen vorgeführt und da noch ganz besonders der Tourismus.  Zeigt doch die Corona-Krise, auf welch zarten Beinen dieser Geschäftszweig steht.  Schon vor der Pandemie ist eines der größten europäischen Touristikunternehmen von der Bildfläche verschwunden. 

Die Corona-Situation ist die kurzfristige unmittelbare Bedrohung, die Klima-Krise das mittel- bis langfristige Damoklesschwert.

Stellt man die beiden Krisen gar in Zusammenhang, wird die Situation noch dramatischer.  Die durch die Virus-Krise hervorgerufenen Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft zeigen auf recht eindrucksvolle Weise, dass die ergriffenen Maßnahmen auch deutlich positive Auswirkungen auf die weltweit vereinbarten Klimaziele haben.  Wir haben den unfreiwilligen Beweis angetreten, dass Kimaschutz möglich ist, insbesondere wenn plötzlich Wirtschaft und Geld nicht die bestimmende Rolle spielen.  Wenn plötzlich Textilfabriken, die sonst für sündteuere Modelabels produzieren Gesichtsmasken herstellen, wenn nun Parfumhersteller Desinfektionsmittel produzieren, zeigt das deutlich, was wirklich wichtig ist.

Der Tourismus kennt solche Alternativen nicht. Im Gegenteil. Der Tourismus gehört wesentlich zu den Faktoren, die mitverantwortlich für Pandemie und Klimanotstand sind.

Es ist kein Zufall, dass jetzt Tirol der Hotspot der Krise in Österreich ist. Wäre es Sommer, würde vermutlich Kärnten mit seinem Sommertourismus an den Seen diese Rolle übernehmen. 

Unbestritten ist der Tourismus gerade in Österreich, insbesondere im Süden und Westen, ein riesiger Wirtschaftfaktor, wenn man noch all jene Betriebe und Branchen dazurechnet, die indirekt profitieren wie z.B. die Wintersportartikelindustrie. 
Angesichts der aktuellen Situation aber auch kommender Herausforderungen stellt sich aber die Frage, ob es gut und vernünftig ist, derart von einem Wirtschaftszweig abhängig zu sein.  

Klar braucht jeder Mensch Freizeit und soll diese möglichst nach seinen Vorstellungen verbringen können. Das ist gut und richtig so.
Das Massentourismus- und -freizeitangebot übersteigt aber jedes Maß an Vernunft.  Es geht längst nicht mehr um das echte Freizeitbedürfnis des Individuums, sondern einzig um Profit in immer größeren Dosen.  Dazu ist kein Aufwand zu gering, keine Natur zu kostbar, kein Klima zu wichtig. 

Es geht um Geld. Es geht um heiße Luft. Es wird kaum etwas geschaffen, das von Wert ist. Es ist weder von Wert für den Einzelnen noch für die Gesellschaft als Ganzes.  Wenn Tourengeher schikaniert werden, weil sie nichts zum Profit der Liftbetreiber beitragen, zeigt das plakativ, worum es tatsächlich geht. 

Wir haben zu leichtfertig die "kostenlose" Natur ausgenutzt und überstrapaziert - für leicht verdientes Geld, anstatt uns um echte Wertschöpfung zu bemühen!

Sollten wir nicht unsere Wirtschaft dahin ausrichten, Produkte zu erzeugen und Dienstleistungen anzubieten, die unsere Gesellschaft wirklich benötigt, anstatt heiße Luft zu produzieren, die nur ein paar Profiteuren hilft.
Das würde dem Klima zu Gute kommen. Das würde solide Arbeitsplätze hervorbringen, anstatt der zahllosen prekären Beschäftigungssituationen in der Tourismuswirtschaft. Das würde vielleicht auch zur besseren Eigenversorgung und damit Krisenfestigkeit unseres Landes beitragen. 

 

 

 

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