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Zurück in die Zukunft

Erich Kapfenberger (erich) on 19.04.2020

Wie geht´s nun weiter?  Wir haben ein paar Wochen der Ausnahmesituation hinter uns gebracht. Eines steht jedenfalls fest. So wie derzeit, will keiner wirklich weitermachen. Darüber, wie die Zukunft aussehen soll, gibt es aber unterschiedliche, zuweilen sogar gegensätzliche Auffassungen.

Der eine Unterschied betrifft die Zeiträume, über die wir reden, der nächste betrifft den Umfang der Einschränkungen, ein weiterer den Weg zurück in die Normalität. Alle diese Parameter hängen aber untrennbar zusammen.  Die große Frage über all diesen Aspekten betrifft unser Wirtschafts- und Gesellschaftssystem. Wie lange hält dieses System, das selbst vor Corona nicht unumstritten war, diese Krise, diesen Ausnahmezustand noch aus?  Welche Dynamik werden manche Prozesse, die schon vor Corona begannen, erfahren. 

Für viele ist vermutlich der Wunsch, dass alles wieder so wird, wie vor der COVID-19 Pandemie, am präsentesten.  Dieser Wunsch wird sich jedoch nicht erfüllen. Dieser Wunsch kann sich aus vielerlei Gründen nicht erfüllen und das ist auch gut so. 

Unsere Konsumgesellschaft definiert sich über ein Wirtschafts- und Finanzsystem, das durch Corona nicht umkehrbare Veränderungen hinnehmen wird müssen. Veränderungen, die bereits durch den Klimawandel notwendig wurden, jetzt aber um so deutlicher zu Tage treten.

COVID-19 wirkt wie ein Brandbeschleuniger auf unserer Wirtschaftsgefüge und unsere Staatshaushalte.  Wenn der Staat alle diese Herausforderungen, die jetzt offensichtlich geworden sind erfüllen soll, so wird dazu sehr viel Geld notwendig sein.  Wenn der Staat nun wieder die Sicherheitsreserven aufbauen soll, die in den letzten Jahrzehnten wegrationalisiert wurden, weil es der Neoliberalismus so predigte, wird man auch entsprechende Finanzmittel benötigen.  Diese Mittel werden sich aber mit dem aktuellen Steuerszenario nicht beschaffen lassen.  Gleichzeitig soll die Steuerlast der Bevölkerung sogar noch reduziert werden.  Nebenbei werden auch die Schulden,  die jetzt gemacht werden, zurück zu zahlen sein.  Nebenbei sind auch Maßnahmen gegen den Klimawandel zu finanzieren.  Wer soll das alles stemmen, wenn es nicht grundlegende Änderungen gibt.  
Die ganze Weltwirtschaft basiert auf stetigen Steigerungen. Nun haben wir das genaue Gegenteil.  Die Rückgänge sind in einem Ausmaß prognostiziert,  bei dem es viele Jahre dauern wird, um das wieder aufzuholen - soweit das überhaupt noch das Ziel sein kann.

Kehren wir zurück zur Dauer der Krise.  Wenn man von der Verfügbarkeit eines Impfstoffes  in ausreichender Qualität und Quantität ausgeht, wird es wohl noch mindestens 2 Jahre dauern, bis man zu einem potenziellen "Normalbetrieb" übergehen kann.  Einen Fortbestand der Wirtschaft in der bekannten Form, mit mehr oder weniger großen Einschränklungen, über diese Zeitspanne hinweg, halte ich für relativ unrealistisch. Die Wirtschaft wird, wo es möglich ist,  die Flucht nach vorne antreten - in die Digitalisierung.  Gleichzeitig werden die Aufwände und Anforderungen in jenen Bereichen steigen, wo dies nicht möglich ist. Das sind u.a. Gewerbe und Dienstleistung sowie der Gesundheits- u. Pflegebereich.  

Die Fülle dieser Veränderungen wir zur Folge haben, dass man die Finanzierung des Staates auf neue Beine stellen wird müssen.  Der Staat wird auch überlegen müssen, bestimmte Leistungen wieder selbst bereit zu stellen, anstatt sie bei der Privatwirtschaft zuzukaufen.  Hier wird es neuer Bewertungskriterien bedürfen.  Neben Variablen wie Nachhaltigkeit und Klimaeffektivität wird auch Krisenfestigkeit künftig ein Aspekt sein, der in volkswirtschaftliche Überlegungen Einzug finden wird.  Es wird einer engeren Kooperation zwischen Privatwirtschaft und Staat bedürfen. Von der völlig freien Marktwirtschaft wird man sich zumindest in existenziell wichtigen Bereichen verabschieden müssen. 

Wenn wir dann in zwei - drei Jahren alle geimpft sein werden und Corona damit weitgehend besiegt sein wird, wird die Welt eine andere sein.
Wir könnten dann vielleicht aus gesundheitlicher Sicht wieder leben wie wir es gewohnt waren.  Wir werden auch wieder gemeinsam beim Wirten anstoßen können, wenn es ihn noch gibt. Viele Lebensbereiche werden sich aber dauerhaft verändert haben - hoffentlich positiv.

Corona hat unumkehrbare Prozesse in Gang gesetzt.
Es gibt ein "in die Zukunft ", aber sicher kein "Zurück".

 

 

 

 



 

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